Von neuen Korridoren und Seidenstraßen
by Dr. Jamila Adeli, Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider
RePLITO - Global Repertoires of Living Together · Von neuen Korridoren und Seidenstraßen. Folge 1

In der neuen Podcast-Reihe sprechen wir über Akteure und Formen einer neuen Kulturpolitik, die zwar weiterhin nationale Interessen verfolgen kann, aber dennoch zunehmend transregional ausgerichtet ist. Durch sie wird ein Verständnis von Kunst und Kultur vermittelt, das auf der Vorstellung langer transkultureller Verbindungen und einer verflochtenen Geschichte aufbaut. Anstelle distinkter Merkmale einer klar abgrenzbaren „Nationalkultur“ oder „nationalen Kunst“ treten nun verstärkt Vorstellungen von geteiltem Erbe, kultureller Nähe und tiefer gegenseitiger Wertschätzung in den Vordergrund. Die neue Kulturpolitik ist außerdem ein zentrales Element großangelegter Infrastrukturprojekte wie Chinas Belt and Road Initiative oder Indiens Act East Campaign. Die Diskussion über die kulturellen Folgen dieser transregionalen Kulturinfrastrukturprojekte steht jedoch noch am Anfang.

Uns interessieren besonders zwei Fragen: Welche Rolle nehmen Kunst und Medien in dieser neuen Kulturpolitik ein und wie verändern sich durch sie Vorstellungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens – auf globaler, regionaler und lokaler Ebene?

In der ersten Folge spricht Jamila Adeli mit Minh An Szabó de Bucs über die chinesische Kulturpolitik*.

Die Podcast-Reihe Von neuen Korridoren und Seidenstraßen ist eine Kooperation zwischen RePLITO und dem BMBF-geförderten Projekt De:link//Re:link: Local perspectives on transregional (dis-)entanglements

Dr. Jamila Adeli studierte Kunstgeschichte, Filmwissenschaft und Anglistik an der Freien Universität Berlin, promovierte 2019 am IAAW zum Wandel der zeitgenössischen Kunstwelt in Indien (2000-2018), und spezialisierte sich als Kuratorin und Wissenschaftlerin auf zeitgenössische Kunst, wissensproduzierende Kunstpraktiken und die Funktionen von Kunst in und aus der MENASA Region. Seit Mai 2021 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin (postdoc) im BMBF-geförderten Verbundprojekt De:Link//Re:Link - Lokale Perspektiven auf transregionale Ver- und Entkoppelungsprozesse am IAAW, wo sie zu künstlerischen De/Konstruktionen von kulturellem Erbe und Narrativen im Kontext der "Alten und Neuen Seidenstraße" forscht.

Minh An Szabó de Bucs studierte Sinologie, Kunstgeschichte und Anglistik an der Freien Universität Berlin. Ihr einjähriges Auslandsstudium absolvierte sie an der Fu Jen University in Taipei, Taiwan. Sie spricht Deutsch, Englisch, Hochchinesisch, Kantonesisch und Vietnamesisch. Seit Jahren arbeitet sie als freie Autorin und Kunstjournalistin u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, das Stuttgarter Zeitung Magazin, den Tagesspiegel und Monopol. Ihre Themenschwerpunkte sind der asiatische Kunstmarkt in all seinen Facetten sowie die asiatische Gegenwartskunst. 2019 drehte sie mit der Regisseurin Grit Lederer den Dokumentarfilm „Chinas Supersammler“ für den Kultursender ARTE.

*Minh An Szabó de Bucs möchte gern eine im Gespräch genannte Zahl berichtigen: Chiang Kai-shek hat damals im chinesischen Bürgerkrieg nicht 500 Kisten Kunstschätze aus dem Palastmuseum mit nach Taiwan genommen, sondern Tausende von Holzkisten, die auf drei Schiffe geladen wurden. Insgesamt sollen sich an die 610.000 kaiserliche Artefakte im Palastmuseum Taipeh befinden.



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